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„Muck Diving“

„Muck Diving“ ist die englische Bezeichnung für das Tauchen im Dreck. Typische Strukturen auf den sandigen Flächen in denen die Meeresbewohner Verstecke finden sind mehr oder weniger „zufällig“ im Wasser gelandet: Autoreifen, Fahrräder, alles Mögliche an Plastikmüll, Angelleinen, Flaschen, etc.. Zwischen abgestorbenen Korallen – immer wieder vom Sediment bedeckt, ersticken die Korallenpolypen darunter – ein paar lebendige Korallen. Das Wasser ist von den vielen Schwebeteilchen trüb. Optimale Muck Diving Bedingungen finden wir in der Regel unter kleineren Bootsanlegestellen in tropischen Meeren. Halbwüchsige Fische lieben es sich im Schatten der Stege zu versammeln. Großfische, starke Strömungen und intakte Korallenriffe suchen wir hier vergeblich. In und um den im Wasser umherliegenden Unrat finden wir jedoch die skurrilsten „Critter“!

 

Frogfish anglerfisch grün

Anglerfisch: Der Name ist Programm! Rein äußerlich wie ein Schwamm, erkennen wir erst den Fisch erst auf den zweiten oder dritten Blick. Beim grünen Anglerfisch sehen wir gut die abstehende Angelrute. Der erste Strahl der Rückenflosse ist zu einer „Angelrute“ umgewandelt. Am Ende befindet sich ein „Köder“. Durch ruckartiges vor und zurück bewegen der Angel, lockt der Tarnungskünstler ahnungslose Fische an, reißt blitzschnell sein Maul auf und saugt mit dem entstanden Unterdruck seine Beute ein.

fadenschnecke bluedragon

Fadenschnecken: Diese Unterordnung der Nacktschnecken ernährt sich von Nesseltieren (z.B. Hart- und Weichkorallen) deren Nesselkapseln sie in den Spitzen ihrer Anhänge speichern. Diese Kleptocniden (gestohlenen Nesselzellen) dienen als perfekter Abwehorganismus gegenüber Freßfeinden. Die Farbenpracht dieser filigranen Kreaturen stellen in jedem Tauchgang ein Highlight dar!

 

minioktopus  Oktopus

Kopffüßer: Der größte vermessen Riesenkalmar brachte es auf stolze 21,95 m. Was aus diesem 1 cm „großen“ Sepia mal wird steht in den Sternen. Zur Tarnung können alle Tintenfische ihre Oberflächenstruktur und Färbung extrem schnell verändern. Dieser Kopffüßer kann schnell in einer Tintenwolke per Rückstoß durch das ausgepresste Atemwasser verschwinden. Im Bild rechts schaut ein Langarmiger Krake aus seinem Autoreifen heraus.

 

 

Blennies: Dieses Schleimfischmännchen hat die ideale Höhle in einer leeren Tanduay Rum Flasche gefunden. Die Damen stehen drauf. In diesem Video präsentieren 3 Weibchen ihre schönen gelben Bäuche und erhoffen sich dadurch ein kleines Stelldichein in der Rum-Flasche.

 

anemonecarrierDiogenes Einsiedlerkrebs: Dieser Einsiedlerkrebs schmückt sich mit fremden Blumentieren. Einsiedlerkrebse leben teilweise mit Schmarotzeranemonen in Symbiose. Bei manchen Arten packt der Krebs die Anemone mit seinen Scheren und presst sie so lange auf sein Haus, bis sie sich festsaugen. In anderen Fällen beobachteten Taucher, dass der Krebs die Anemone vorsichtig mit seinem Bein umschlingt und durch „streicheln“ dazu bewegt ihre Fußscheibe vom Untergrund zu lösen und auf sein Gehäuse zu übersiedeln. Wechselt der Krebs sein Gehäuse nimmt er seine Anemonen selbstverständlich mit.

 

 

Literatur:

Schneckenführer Indopazifik, H. Debelius

Coral Reef Guide, E. Lieske & R.F. Myers

Tropische Meerestiere, D. Eichler

2 Gedanken über “„Muck Diving“

  1. The pale one

    Danke für die tollen Infos und Bilder. Bin mir sicher,dass man in Indien perfekt Muck Diving machen könnte. Müll ist dort nämlich überall……
    Wirklich toller Blog und die Bilder sind echt schön!

patrick