Meer zum Sehen – more to sea

Biokistl

Über das „Biokistl“

Das Biokistl kommt regelmäßig als Newsletter „frei Haus“. Immer mit ein paar neuen photographischen Leckerbissen. Wenn Du es unverbindlich „bestellen“ möchtest, schick Deine email adresse an patrick(at)patrickdemus.com und ich nehme Dich in den Verteiler auf. Daten behandel ich selbstverständlich vertraulich.

Guten Appetit!

 

 

Eine aus Tausend – Ostern an Weihnachten auf Heron Island

In unseren Weltmeeren leben sieben Meeresschildkröten Arten. Die Schildkröten, die uns beim Tauchen und Schnorcheln meistens begegnen sind die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) und die Suppenschildkröte (Chelonia mydas). Die erste Phase des Lebens verbringen Schildkröten im offenen Wasser. Dort ernähren sie sich unter anderem von Plankton, Quallen und auch den quallenartigen Hydrozoen wie der Portugiesische Galeere. Ab einer gewissen Größe begeben sich Schildkröten in Küstennähe um mehr Nahrung zu finden. Nach etwa 20 Jahren wird eine Schildkröte geschlechtsreif.

Hawksbill turtle feeding on Soft coral<- Die Echte Karettschildkröte ernährt sich hauptsächlich von Schwämmen. Macht aber, wie in diesem Fall, nicht halt vor Weichkorallen. Manchmal fressen sie auch Anemonen. Ihr Mund ist im Vergleich zur Suppenschildkröte schnabelartig. Zwischen den Augen hat sie zwei Paare prefrontale Schuppen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Green turtleGreen turtle portrait <-Die Suppenschildkröte hat einene eher abgerundetes Gesicht. Außerdem hat sie nur ein prefrontales Paar Schuppen zwischen ihren Augen.

 

 

 

 

 

Heron Island im Süden des Great Barrier Reefs in Australien ist einer der Hauptnistplätze für Suppenschildkröten und gelegentlich für Unechte Karettschildkröten. Erste Schildkröten finden bereits im Oktober ihren Weg an den Strand. Im Dezember ist die Hauptzeit. Nächtlich kommen hier teilweise 30 Schildkröten um die Vollmondzeit an Land um ihre Eier zu legen. Eine Schildkröte kann bis zu vier mal pro Saison ihre Eier am Strand vergraben. Ein Gelege hat ungefähr 100 Eier. Etwa 60 Tage später graben sich die ersten Schildkrötenbabys aus ihren Nestern heraus. Statistisch gesehen wird eine Schildkröte aus Tausend an den Strand zurückkehren um ihre Gene in die nächste Generation zu bringen.

 

Pink whiprays in shallow water<-Auf dem Riffdach rund um Heron Island tummeln sich häufig Lila Stechrochen (Himantura fai). Meist ruhen sie hier bevor sie ausschwärmen um im Sediment nach Krebstieren zu suchen.

 

 

 

 

 

 

 

Heron Island ist zudem bekannt für seine Seevogelkolonien. Der Weisskopfnoddi (Anous minutus) brütet hier ungestört auf Ästen der Pisonia. Das Nest besteht aus Kot, der die Blätter der Pisonia zusammen hält. Gelegentlich verfangen sich die klettenartigen Samen im Gefieder der Noddis, so dass sie elendig zu Grunde gehen. Der tote Vogel trägt wiederum Nährstoffe in den Boden ein.

Black noddyBlack noddy Black noddy II

 

 

 

 

 

 

Gelegentlich kommt eine Schildkröte auch tagsüber an Land um ihre Eier zu vergraben. Zuerst sucht sie eine geeignete Stelle über der Wasserlinie. Sie beginnt mit allen Vieren ein „Body pitch“ zu graben. Ist der Sand feucht genug gräbt sie als nächstes mit den Hinterfüßen eine tropfenförmige“Egg chamber„. In diese Kammer lässt sie ihre Eier fallen. Anschließend füllt sie die Kammer wieder mit Sand auf. Klopft den Sand fest um anschließend ihre Spuren zu verwischen. Dieser anstrengende Vorgang dauert mehrere Stunden. Nicht selten probieren die Weibchen mehrere „Body pitchs“ bis sie eine geeignete Stelle für ihre Nachkommen gefunden haben. Finden sie keine geeignete Stelle kommen sie in den nächsten Nächten wieder.

 

Turtle nesting during the dayclose up egg chamber

closing the egg chamber

 

 

 

 

 

 

 

easter on christmas

<- Ostern an Weihnachten: Ein freiwillger Helfer übt sich als Schildkrötenmutter am Weihnachtsabend. Das ursprüngliche Nest war zu nahe an der Wasserlinie. Der Biologe gräbt ein sicheres Nest in das er vorsichtig das Gelege bettet.

Und so kommt die Jungfrau zu ihrem Kind…

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Welche Schildkröte habe ich gesehen? -> Online Bestimmungsschlüssel

A Kindergarten in the Solomons

Visiting a Kindergarten on the outer reef of Owaraha

I take the Zodiac to explore the western reef of Owaraha in the east of the Solomon Islands. The first place close to the entrance into the bay of Port Mary on Owaraha has a great coral cover and variety of fish. Nevertheless I found a 30cm thick layer of freshwater just under the surface, a result of rain water running from the island into the bay. The result is a very blurry visibility. Further outside the bay the freshwater layer disappears. The sloping reef is covered with a great number of different colorful coral species. While I dive down to carefully place the anchor of the Zodiac an adolescent White Tip Reef Sharks cruises around a small area of the reef possibly sensing and hoping for some easy prey hiding between the coral crevices. A little later a second White Tip joins as well as a Black Tip Reef Shark. The outside world stands still while I observe these majestic predators hypnotized.

Owaraha

My highlight of this morning’s snorkeling session though lays in a small detail that has been on my tick list for quite a while!

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A pair of Spiny Chromis (Acanthochromis polyacanthus) is constantly alert and chases away all potential predators to protect their tiny offspring. While the school of silvery juveniles feeds on plankton that is drifting past to gain nutrition and strength they immediately respond to their parents signal and lower themselves towards the safety of the bottom.


This 15 cm long member of the Damselfish family is one of only a few fish species in the ocean lacking a pelagic larval stage, which accounts for the localized range of many variations. Visual ID is nearly impossible due to highly variable color and markings depending on the geographical location. Two large adult Damselfish tending many young is the clue to identify this species. It is extremely rare to find fish in a reef that perform brood care further than the larval stage!

I love visiting the reefs of the Solomon Island. Marking the east corner of the world famous Coral Triangle, always awaiting with pleasant surprises!

Nackte Schnecken

In unseren Gartenparadiesen erfreuen sich Nacktschnecken keiner großen Beliebtheit. Vor allem die Spanische Wegschnecke und ihre Unersättlichkeit bringen ihre Gilde in Verruf.

Doch sobald wir uns aus dem Gartenstuhl erheben, die Sonnenbrille gegen die Taucherbrille austauschen, um in die tropischen Korallenriffe unserer Erde einzutauchen, eröffnet sich uns ein ganz neuer Blickwinkel. Vielleicht auch, weil wir keine Nesseltiere verspeisen und die marine Nacktschnecke (aka Nacktkiemer) in kein direktes Konkurrenzverhältnis zu uns und unserem Salat tritt. Auch alte Seebären geraten immer wieder aufs Neue in Verzückung, wenn sie diese winzigen, extrem farben- und formenfrohen Kreationen der Evolution entdecken.

 

Halgerda malessoChromodoris kunieiIMG_0103EIMG_0647s ist nicht immer leicht bei diesen Schnecken Anfang und Ende auszumachen. Der deutsche Name Nacktkiemer leitet sich von dem Begriff Nudibranchia [von latein. nudus = nackt, griech. brankhia = Kiemen] ab. Nacktkiemer sind eine Unterordnung der Ordnung der Hinterkiemerschnecken. Daraus können wir schließen, dass der fein verästelte kronenförmige Anhang der Schnecke zum einen die Kiemen sind und zum anderen das Hinterende des Körpers markieren. Durch dieses simple Ausschlussverfahren wissen wir nun, wo vorne sein sollte.  Am Kopf sehen wir deutlich die paarigen Rhinophoren – ein olfaktorisches Sinnesorgan.

Gehören die Schnecken nicht zu der Gruppe der Nacktkiemer, ist es schon etwas schwieriger das Vorderende des Tieres auszumachen, bzw. das Tier überhaupt als Schnecke zu identifizieren. Die auffälligen Farben weisen potentielle Fressfeinde auf eine gewisse Ungenießbarkeit hin.

IMG_5751 Barthella martensi IMG_0282 Reticulidia halgerdaBarthella martensi

 

 

 

 

 

kleptocnideblue dragonBemerkenswerte Verteidigungsstrategie: Kleptocniden [von griech. kleptein = stehlen, griech. knidē = Nessel] haben einen langgestreckten Körper mit mehreren Reihen Körperanhängen auf der Rückenoberfläche. In den Enden der kräftig gefärbten Anhänge lagern Cnidensäckchen gefüllt mit Nesselzellen der Beute im nicht abgefeuerten Zustand.

 

 

„Gib mir deinen Saft, ich geb‘ dir meinen!“ Alle Nacktschnecken sind Zwitter. Die Geschlechtsorgane liegen auf der rechten Seite des Körpers, seitlich hinter dem Kopf. Den Fortpflanzungspfropfen stülpen die Tiere nur bei Bedarf aus.

Chromodoris lochi<- Chromodoris lochi  bei der Kopulation.IMG_0528

Schmiede das Eisen, solange es heiß ist! Thecacera sp.: Während der Partner auf einem Stück Seegras ablaicht, bemüht sich der andere um eine Kopulation. Der Samen der Nacktschnecke muss nicht unmittelbar zur Befruchtung führen und wird eventuell eingelagert. Ein fast durchsichtiger Fortpflanzungspfropfen zwischen den beiden etwa 1 cm großen Schnecken. Genau hinschauen: Die weiße Eimasse ist ansatzweise zu erkennen. Das rechte Tier schaut nach unten. ->

IMG_3582 Laich Span DancerEs ist vollbracht: Die bänderförmige Eimasse legen die Hermaphroditen meist gegen den Uhrzeigersinn. Die Eier sind mit einer klebrigen schützenden Flüssigkeit verbunden. Später beginnen die geschlüpften Nacktschnecken ihr Leben als pelagische Veliger. Mit guten Bedingungen (ein Untergrund mit Futter) endet das Larvenstadium.

 

 

 

Die Fotos habe ich in Indonesien (Bali, Lombok, Flores) und um die Inseln Mabul in Malaysia aufgenommen.

 

Literatur: Schnecken Führer Indopazifik, Helmut Debelius (2003)

Clownfische im Freudentaumel – dank Conchita Wurst!

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Die Welle der Toleranz für Transgender, ausgelöst durch Conchita Wurst, erfreut auch die Anemonenfische: die Gesellschaft steht ihren häufigen Geschlechtsumwandlungen zunehmend wohlwollend gegenüber. Denn der größte Clownfisch in einer Anemone ist immer ein Weibchen, obwohl alle Anemonenfische als Männchen das Licht der Welt erblicken! Stirbt das Weibchen, wandelt sich das größte Männchen in der Anemone zu einem Weibchen um. Das zweitgrößte Männchen nimmt die Position des dominanten Männchens ein und wird sich mit dem neuen Weibchen – ehemals dominantes Männchen – verpaaren. So sparen sich Clownfische das lebensgefährliche Wechseln zwischen Anemonen auf der Suche nach einem Partner. Eine Geschlechtsumwandlung schützt vor dem sicheren Tod! Hat ein Anemonenfisch eine Anemone gefunden, wird er an diesem Ort bleiben, bis es ihm der Lauf der Zeit ermöglicht sich fortzupflanzen.

 

 

IMG_1384a <-Ein deutlicher Hinweis, dass du dich einer Anemone näherst: IMG_0076aZwei Rotmeer-Anemonenfische (Amphiprion bicinctus) schwimmen aufgeregt vor deinem Gesicht auf und ab.

Anemonenfische können ohne Anemonen nicht existieren. Von den 35 bekannten Seeanemonen bewohnen Anemonenfische 10 Arten. Üblicherweise leben mehrere Anemonenfische in einer Anemone. Das größte Tier ist das Weibchen. Das größte der vier Männchen in diesem Bild ist in der Hierarchie ganz oben, die anderen Tiere folgen der Größe nach. Im Vordergrund leuchtet das Gelege orange. ->

 

 

IMG_0083a Bis zu 1500 Eier legt ein Anemonenfisch nahe dem Anemonenfuß auf einer festen Unterlage ab. Das Gelege umsorgt hauptsächlich das Männchen. Emsiges Zufächeln von Wasser. Immer wieder lutscht das Männchen den Laich ab, als Schutz vor Verpilzung. Nach einer Woche schlüpfen die Larven und treiben mit der Strömung als Plankton davon.

 

 

 

 

IMG_1477aIMG_1477bNach 1-3 Wochen besiedeln die Jungfische das Riff und machen sich auf die Suche nach einer geeigneten Anemone. Der junge Anemonenfisch in diesem Bild misst noch keinen Zentimeter. Ebenfalls im Bild zu sehen: eine Putzergarnele – ein häufiger Bewohner von Anemonen.

 

 

 

 

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Bei Gefahr finden Anemonenfische Schutz zwischen den nesselnden Tentakeln. Andererseits schützen sie die Anemonen vor spezialisierten Fressfeinden, die sich von ihren Tentakeln ernähren. Das Nesselgift kann dem quirligen Fisch nichts anhaben, da sie den Schleim der Anemone schon im Kindesstadium auf ihren Körper übertragen. Dadurch reagiert die Anemone auf den Anemonenfisch so, als wenn sich die Tentakeln gegenseitig berühren. Einen fremden Fisch halten die Tentakeln fest und transportieren ihn zur Mundöffnung.

 

 

Ein Gedankenspiel zu „Findet Nemo“:

Ein Barrakuda frisst Nemos Mutter „Coral“. Endlich kann Vater „Marlin“ sich innerhalb einer Woche zu einem Weibchen („MarlinA“) umwandeln . Nemo legt einen Wachstumsschub hin und ist ab sofort (trotz „lucky fin“) das dominante Männchen in der Anemone. „Marlina“ und „Nemo“ werden viel Nachwuchs produzieren. Stirbt „Marlina“ wird Nemo zur Chefin („NemA“) in der Anemone und das zweite Männchen in der Hierarchie steigt zum dominanten Männchen auf, verpaart sich nun mit „Nema“ und bringt auch seine Gene in die nächste Generation Clownfische. Nemo könnte natürlich in Wirklichkeit niemals „Marlins“ Sohn sein.

Zumindest so steht die Geschichte in der einschlägigen biologischen Literatur geschrieben…

 

Literatur: Tropische Meerestiere, D. Eichler, 2001

 

 

 

I’ll scratch your back if you scratch mine

Imagine: you’ve got a dirty car but you do not really have the assets to give it a good clean and polish. The most practical thing would be to visit a car wash and get it cleaned. You will most likely pay the owner some money in return. You’ll have a clean car and he will treat himself to something tasty to eat with the money just made. We are witnessing the principle of a symbiosis.

It’s nothing else what we are observing when going diving in the tropical seas observing fish who are holding an unusual position in the water, opening their gill cover and mouth, spreading their fins. On the second look it is very likely to find either Cleaner Wrasses or Cleaner Shrimp busy buzzing around their customer. These small cleaner build their own niche. What would you do? You have no hands and it’s itching like hell. Of course you’d reach out for that helping hand in shape of the little wizard that’s finding and eating all the annoying ectoparasites that are trying to live between your scales, gills, fins and other inaccessible corners of your body.

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Especially around Anemones it is very likely to find a gang of Cleaner Shrimps. With a little bit of patience and a quiet hand it is likely to enjoy a free manicure. Taking a closer look at the first picture you are likely to find at least 15 Cleaner Shrimps.

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A Batfish is holding an upward position spreading gill cover and mouth while Bluestreak cleaner wrasses are scanning its gills for a nourishing snack. A content Giant moray is awaiting a pleasant personal treatment.

This pelagic Rainbow runner came into the reef to pay a cleaning station a quick visit. Like for all fish: Eating a cleaner is a clear “NO GO!

Manta Point in Komodo’s National Park is nothing but a huge cleaning station for Mantas that is frequently visited by at least  different individuals. You’ll be able to identify a few tiny Cleaner wrasses around the head of this Manta.

 

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A dive site north of the laidback Dahab at the Red Sea is a cleaning station that is known for its bold Cleaner wrasses. These diligent cleaner fish hit the jackpot when discovering Rick’s hands and the back of my throat before discovering the sheer endless supply of opulent cerumen in my ears. After a while the greedy Cleaner wrasses make me feel unease and I sound to retreat.

Surgeonfish grazing on the shell of a Green turtle. The Yellow wrasses are likewise receiving a slice of the cake before moving on to the next waiting customer at Barracuda Point at Borneo’s underwater paradise Pulau Sipadan.

 

Eine Hand wäscht die Andere!

Stell dir vor, du hast ein schmutziges Auto. Du fährst damit in die Waschanlage. Der Betreiber sorgt dafür, dass dein Auto wieder glänzt, dafür gibst du ihm Geld. Mit dem Geld kauft er sich etwas Leckeres zu essen. Beide Parteien profitieren voneinander – das Prinzip einer Symbiose. Nichts anderes finden wir in den intakten Ökosystemen unserer Meere. Putzerfische und Putzergarnelen sind ortstreu, halten sich immer am selben Fleck auf. Sie haben ihre eigene Nische gebildet. Zwischen Schuppen und Kiemendeckeln, zwischen scharfen Zahnreihen siedeln sich immer wieder lästige Parasiten an. Und was tun, wenn es juckt? Ohne rettende Hand weit und breit?! Alles kein Problem! Die Meeresbewohner kennen diese fixen Unterwasser-Spas und suchen sie regelmäßig auf, um sich verwöhnen zu lassen.

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Besonders um Anemonen finden wir oft Putzergarnelen. Ein wenig Geduld und ein ruhiges Händchen, belohnen die nahezu durchsichtigen Wirbellosen mit einer Maniküre. Bei genauem Hinsehen tummeln sich im ersten Bild mindestens 15 Putzergarnelen.

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Ein Fledermausfisch stellt sich schräg ins Wasser, spreizt die Kiemendeckel und Flossen. Er signalisiert somit sein Ansinnen, während die Putzerlippfische die Kiemen nach Nahrung absuchen. Eine Riesen Muräne in freudiger Erwartung.

 

Die pelagisch lebende Regenbogenmakrele sucht eine Putzerstation in Riffnähe auf. Wie für alle anderen Fische gilt: Einen Putzerfisch fressen?! Ein klares „NO GO„!!!

Am Kopf dieses majestätischen Manta Rochen tummeln sich ein paar Reinigungskräfte. Putzerfische werden ca. 10cm lang. Durch den schlanken stromlinienförmigen Körperbau erreicht der Fisch die hintersten Winkel.

 

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Nahe dem gemütlichen Dahab am Roten Meer gibt es einen Tauchplatz mit einer Putzerstation, die den Ruf hat, von besonders mutigen Gewöhnlichen Putzerfischen betreut zu werden. Diese eifrigen Putzerfische haben das große Los gezogen, als sie sich erst über Ricks Hände her machen und meinen Mund nach Snacks absuchen, bevor sie sich kopfüber in meine Welt des Hörens stürzen und sich gierig über mein (anscheinend) köstliches Zerumen her machen. Nach einer gewissen Zeit wird mir die Unersättlichkeit der Putzerfische zu unheimlich und ich trete Ohren zuhaltend den Rückzug an.

Doktorfische grasen die veralgten Panzer der Suppenschildkröten ab. Die gelben (vermutlich) Kanarien-Lippfische schneiden sich ebenfalls ihr Stückchen vom Kuchen runter. Alle Rosinen rausgepickt, widmen sie sich dem nächsten geduldig wartenden Kunden am Barracuda Point um Malaysias Insel Sipadan.

 

„Muck Diving“

„Muck Diving“ ist die englische Bezeichnung für das Tauchen im Dreck. Typische Strukturen auf den sandigen Flächen in denen die Meeresbewohner Verstecke finden sind mehr oder weniger „zufällig“ im Wasser gelandet: Autoreifen, Fahrräder, alles Mögliche an Plastikmüll, Angelleinen, Flaschen, etc.. Zwischen abgestorbenen Korallen – immer wieder vom Sediment bedeckt, ersticken die Korallenpolypen darunter – ein paar lebendige Korallen. Das Wasser ist von den vielen Schwebeteilchen trüb. Optimale Muck Diving Bedingungen finden wir in der Regel unter kleineren Bootsanlegestellen in tropischen Meeren. Halbwüchsige Fische lieben es sich im Schatten der Stege zu versammeln. Großfische, starke Strömungen und intakte Korallenriffe suchen wir hier vergeblich. In und um den im Wasser umherliegenden Unrat finden wir jedoch die skurrilsten „Critter“!

 

Frogfish anglerfisch grün

Anglerfisch: Der Name ist Programm! Rein äußerlich wie ein Schwamm, erkennen wir erst den Fisch erst auf den zweiten oder dritten Blick. Beim grünen Anglerfisch sehen wir gut die abstehende Angelrute. Der erste Strahl der Rückenflosse ist zu einer „Angelrute“ umgewandelt. Am Ende befindet sich ein „Köder“. Durch ruckartiges vor und zurück bewegen der Angel, lockt der Tarnungskünstler ahnungslose Fische an, reißt blitzschnell sein Maul auf und saugt mit dem entstanden Unterdruck seine Beute ein.

fadenschnecke bluedragon

Fadenschnecken: Diese Unterordnung der Nacktschnecken ernährt sich von Nesseltieren (z.B. Hart- und Weichkorallen) deren Nesselkapseln sie in den Spitzen ihrer Anhänge speichern. Diese Kleptocniden (gestohlenen Nesselzellen) dienen als perfekter Abwehorganismus gegenüber Freßfeinden. Die Farbenpracht dieser filigranen Kreaturen stellen in jedem Tauchgang ein Highlight dar!

 

minioktopus  Oktopus

Kopffüßer: Der größte vermessen Riesenkalmar brachte es auf stolze 21,95 m. Was aus diesem 1 cm „großen“ Sepia mal wird steht in den Sternen. Zur Tarnung können alle Tintenfische ihre Oberflächenstruktur und Färbung extrem schnell verändern. Dieser Kopffüßer kann schnell in einer Tintenwolke per Rückstoß durch das ausgepresste Atemwasser verschwinden. Im Bild rechts schaut ein Langarmiger Krake aus seinem Autoreifen heraus.

 

 

Blennies: Dieses Schleimfischmännchen hat die ideale Höhle in einer leeren Tanduay Rum Flasche gefunden. Die Damen stehen drauf. In diesem Video präsentieren 3 Weibchen ihre schönen gelben Bäuche und erhoffen sich dadurch ein kleines Stelldichein in der Rum-Flasche.

 

anemonecarrierDiogenes Einsiedlerkrebs: Dieser Einsiedlerkrebs schmückt sich mit fremden Blumentieren. Einsiedlerkrebse leben teilweise mit Schmarotzeranemonen in Symbiose. Bei manchen Arten packt der Krebs die Anemone mit seinen Scheren und presst sie so lange auf sein Haus, bis sie sich festsaugen. In anderen Fällen beobachteten Taucher, dass der Krebs die Anemone vorsichtig mit seinem Bein umschlingt und durch „streicheln“ dazu bewegt ihre Fußscheibe vom Untergrund zu lösen und auf sein Gehäuse zu übersiedeln. Wechselt der Krebs sein Gehäuse nimmt er seine Anemonen selbstverständlich mit.

 

 

Literatur:

Schneckenführer Indopazifik, H. Debelius

Coral Reef Guide, E. Lieske & R.F. Myers

Tropische Meerestiere, D. Eichler

patrick